Alexander Tolnay: Visualisierung der Betroffenheit
Heute, im ersten Jahrzehnt eines neuen Jahrhunderts, befinden wir uns kultur- und kunstge-schichtlich in einer zeit des Umbruchs. Die schon so oft totgesagte malerei sucht dabei neue Wege zwischen Ermüdungserscheinungen und innovation und feiert zur zeit mit der "leipzi-gen Schule" neue Triumphe. Károly Klimó bekennt sich seit anfang an zur malerei als künstle-risches ausdrucksmittel zu den aktuellen Problemstellungen dieser zeit des Umbruchs. [Mehr...]
Dr. Hegyi Loránd: Düsterer Glanz
Charakteristisch für Károly Klimós Gemälde sind kräftige, schwungvolle Gesten, vibrierende Pinselzüge und brandige, verletzte Flächen, die eine düstere Stimmung verbreiten. Diese Emotionen und Erregungen so unmittelbar wiedergebende Kalligraphie wird durch Collage-Details und zertrümmerte Materialien ergänzt. Häufig bereichern dreidimensionale Elemente, Gegenstände oder Gegenstandsfragmente die Bildfläche. Das Grunderlebnis für den Betrachter ist das gequälte, herumwirbelnde oder auch hilflos daliegende Material selbst - die schwere, dunkle Masse. Dieses ,,Informelle“ bedeutet Formlosigkeit, das Fehlen einer exakt bestimmbaren Form, die völlige Ausklammerung der genau modellierbaren Bildrelationen. [Mehr...]
prof. Peter Baum: Es ist ein Prozess
Es ist ein Prozess, der zur Transformation und Verdichtung von Materie führt, den die Gemälde und Papierarbeiten von Károly Klimó als Voraussetzung jenes Zustandes provozieren, den der Künstler als endgültig definiert. Mit der Malerei an einem bestimmten Punkt aufzuhören, ein Bild nach mehr oder minder langen Mühen fertig zu finden und aus der Hand zu geben, bedeutet nicht nur im Hinblick auf die Philosophie des Informel ein gewisses Problem, sondern stellt auch höhe Anforderungen an den Rezipienten. Vom Betrachter informeller beziehungsweise abstrakt-expressionistischer Bilder wird grundlegendes Verständnis für das Prozessuale des Malakts und zugleich sensibles Einfühlungsvermögen für den Status quo des Kunstwerks verlangt. [Mehr...]
Axel Matthes: Károly KLIMÓ
Sprechen wir über Kunst oder Natur, etwas gierig zumeist oder gerührt, ist es wie wenn der Pastor von Gott spricht: entfernt verwandt. Verfluchte Gewalt des Meinens.
Gut, Klimós Bilder haben nicht die penetrante Schweigsamkeit von Mondrians Bildern, auch fehlt ihnen die Thematik, das Erzählende wie bei einer Darstellung von Marats Tod. Als Kommentator unterlegt man einem Bild eine vermutliche Subjektivität und dieser wieder die eigene. Über Klimós Kunst läst sich nicht dozieren wie mit einer Zuckerstange. Vor dem Begreifen liegt das Ergriffen-sein, die Berührung der Netzhaut. [Mehr...]
Von László F. Földényi: Mit Klimó auf Opfergang
Eigentlich lud uns Károly Klimó zur Präsentation seiner Gemälde ins Institut Français. Was wir dort aber erblickten, war eher eine Installation. Keines der exponierten Bilder war exklusiv als Bild zu betrachten. Sie erweckten eher die Impression von eingeschlossenen Präparaten. Eines Ensembles von Objekten, die über die - meiner Meinung nach wunderbare - Eigenschaft verfügen, der sie empfangenden Örtlichkeit einen Hauch von Heiligkeit zu verleihen. Den eingesperrten Kunstwerken entweicht wie sakralen Reliquien ein unbeschreiblicher Zauber. Sie lassen erahnen, daß sie auch zu etwas anderem als nur zum Betrachtetwerden verwendbar sind. Aber wozu? Vielleicht als Kultgegenstände. Schließlich ist es in der Installation nicht schwer, einen von Klimó geschaffenen Altar zu erkennen. Einen Altar, der über alle konventionellen Religionen hinausweist. Dessen Destination aber gerade deshalb um so schwieriger auszumachen ist. Und noch schwerer wäre zu sagen, wem neben (oder vielleicht sogar auf) diesem Altar geopfert werden soli. [Mehr...]