Prof. Peter Baum: Es ist ein Prozess

Es ist ein Prozess, der zur Transformation und Verdichtung von Materie führt, den die Gemälde und Papierarbeiten von Károly Klimó als Voraussetzung jenes Zustandes provozieren, den der Künstler als endgültig definiert. Mit der Malerei an einem bestimmten Punkt aufzuhören, ein Bild nach mehr oder minder langen Mühen fertig zu finden und aus der Hand zu geben, bedeutet nicht nur im Hinblick auf die Philosophie des Informel ein gewisses Problem, sondern stellt auch höhe Anforderungen an den Rezipienten. Vom Betrachter informeller beziehungsweise abstrakt-expressionistischer Bilder wird grundlegendes Verständnis für das Prozessuale des Malakts und zugleich sensibles Einfühlungsvermögen für den Status quo des Kunstwerks verlangt.

Dem Vorher eines Gemäldes, das als Vorgang bildnerischer Ideen und Gestaltfindung zu definieren ist und in ausreichendem Masse rekonstruirbar erscheint, wird vom Betrachter der Istzustand des fertigen Bildes, möglicherweise aber auch ein mehr oder minder vages Nachher entgegengesetzt. Kunst in diesem zeitlichen Fluss, gebildet aus Fakten und Spekulationen, bekräftigt ihre Existenz als visuelles Gleichnis relativierender Einsicht und Welterfahrung. Die Zeit spielt in der Beobachtung dieses Vorgangs, der auch den zeitlichen Verlauf der Kunstgeschichte betrifft, eine massgebende Rolle. Es ist nicht zuletzt der Aufwand an Zeit und ess ind die durch das Verstreichen von Zeit bedingten Vergnügen, zugleich aber auch als jene höhere Anstrengung ausweisen, die bei Werken, die überdauern, dazu führen, dass diese über ein bestimmtes Kontinuum von Generationen hinweg etwas zu sagen haben.

Angesichts der Veränderungen, die innerhalb der Technologien passieren, deren sich die Kunst heute bedient, ist Károly Klimó ein orthodoxer, traditioneller Maler. Er vertraut auf die Symbolkraft und emotionale Direktheit von Form und Farbe, die er in vehementem Duktus mit ganzer Sinnlichkeit und unter Einbezug aller entscheidenden materiellen Facetten beansprucht. Klimó steht hier unzweifelhaft in einer grossen und langen Tradition expressiver Malerei des 20. Jahrhunderts. Diese setzt bei den Fauves und den Deutschen Expressionismus, Informel und Aktionsmalerei der Amerikaner, Franzosen, Spanier und Deutschen bis in unsere unmittelbare Gegenwart mit ihrem revidierten Verständnis vom Bild.

Die jüngste Entwicklung von Klimó zeigt eine ausserordentliche malerische Entfaltung verbunden mit einer grossen Unmittelbarkeit der Form, die kraftvoll und sensibel zugleich Bild für Bild neu errungen wird. Károly Klimó, der gleich anderen auch öfter die Grenzen des Tafelbildes sprengt und im Sinne reliefähnlicher Installationen die dritte Dimension beansprucht, versteht Malerei als existenziellen Befund. Seine Werke beruhen auf komplexen Strukturen malerischer beziehungsweise graphischer Art, auf dem Miteinander von Abwägen und spontanen Eingriff, der für ein Bild mit Sprengkraft einfach notwendig ist. In der Fähigkeit zu rascher Reaktion lässt sich das vielleicht wichtigste Beweismittel für die Vitalität und künstlerische Notwendigkeit einer Malweise erblicken, die - an den grundlegenden Möglichkeiten ihres Anspruchs gemessen – nach wie vor Gültigkeit beanspruchen kann. Klimós expressionostische, informele Gemälde bekennen sich zur Magie der in ihnen verwendeten Materialien und zur intensiven Gegenwärtigkeit von Struktur und Geste. Die Qualität eines bestimmten Werkes ergibt sich aus dem Wie ihrer Handhabung. Es ist die künstlerische Form des Aufruhrs, die von Klimós Gemälden und Papierarbeiten ausgeht und einer Welt der Hektik Metaphern für das Nachdenken entgegensetzt.



Prof. Peter Baum,
Professor, Wien



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